Anthropotoi (2019-21)

Das Auge tastet sich entlang
dem Menschenland
das durch Menschenhand
sich plastisch vereint
mit ländlicher Idylle
entsteint:

quer
von der Meer- zur Landzunge geschwommen
ans Ufer gekommen
vom einen oder anderen
niemand fragt nach
entstiegen dem grossen Ozean
über den Ponte Pene geschwankt
in der Bauchebene geweilt
Monument des Nabels bestaunt
Nabel der Welt
Mitte der Erde
das Rumoren der Tiefe gehört
die Spitzberge erklommen
noch immer benommen

Rast in der Achselhöhle
geschützt vor Attraktion
schweissgeduscht weiter

quer
Feld – eine Bildung von Orientierungssinn
weiter
Richtung Zurecht-Rücken
Gratwanderung
über behaarten Kamm
grad wars noch warm
hinab
durch den Tunnel des gebogenen Rückgrats

Aufatmen in der Po-Ebene
So weit das Auge reicht
weisse Fläche
von der Mutter gemalt ein
brauner Fleck auf dem Speck
Klippensprung
Atem
Rippenschwung
Atem
Rippenschwumm
item

zurück zuhause
im grossen Meer

Beschrieb
Als Kind stellte ich mir in der Badewanne vor, meine aus dem Wasser ragenden Glieder seien Inseln im Meer und winzige Menschen würden über meine Haut spazieren und meinen Körper als Landschaft wahrnehmen. In der gleichen Weise schaue ich manchmal noch heute auf Bergmassive oder Hügel und fantasiere sie als Rücken oder Bäuche von Riesen, wobei wir Menschen dann zu Winzlingen werden, die jederzeit plattgemacht werden könnten.

Es ist eine animistische Sicht, die mich zu Anthrotopoi bewogen hat und die ich mir auch als Erwachsene zu erhalten versuche. Dabei geht es mireinerseits um den Erhalt vom magischen Denken, in dem ich einen grossen Mehrwert für unsere rational dominierte Welt sehe. Andererseits können wir vielleicht ein Stück Ignoranz gegenüber unserem Planeten aufgeben, wenn wir ihn als ein (nahezu menschliches) Wesen verstehen.

In der Sprache zeigen sich zahlreiche tolle Verbindungen von Körper und Landschaft. Diese boten mir grosse Inspiration für die Bildwelten in Ölkreide. Die plastische Auseinandersetzung hingegen war der erste Annäherungsschritt an das Thema und führte mich zum zugehörigen Text; einer Art Reisebericht durch eine Körperlandschaft.

Anthropos griech. für „Mensch“ 
Topos (Mehrzahl „topoi“) griech. für „Ort, Platz, Stelle, Thema“

Ölpastell-Malereien (2020/2021)

Material der Bilder
Ölpastell auf Papier, A4

Erkundungen in Objektform (2019 / 2020)

Materialien des fotografierten Objekts
Kartongewebe und andere Verpackungs- bzw. Abfallmaterialien, Faden, selbstgeschöpftes Papier, Spachtelmasse, bemalt mit Acryl

Grösse des Objekts
ca. 60x40cm